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Kapitalismus, Konsumwahn & Zins

„Heutzutage kaufen viele Menschen mit Geld, das sie nicht haben, Dinge, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen."
Max Otto Bruker, deutscher Arzt und Buchautor (1909 – 2001)

„Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“
Henry Ford, Gründer des Automobilherstellers Ford Motor Company (1863 – 1947)

In unserem Wirtschaftssystem gilt es, Produkte an den Mann bzw. an die Frau zu bringen, ganz egal, ob diese irgendjemandem einen Nutzen bringen oder nicht. Immer neue Produkte werden entwickelt, die mit immer raffinierteren Marketingtricks unter die Leute gebracht werden. Der Durchschnittsbürger macht brav mit und lässt sich einreden, dass er ohne die neuste Errungenschaft nicht leben kann. Die Unternehmen tun alles, damit der Bedarf an immer neuen Gütern aufrecht erhalten wird, so werden zum Beispiel Produkte bewusst in minderwertiger Qualität hergestellt, so dass man sie immer wieder neu kaufen muss. Auch die Mode trägt ihren Teil dazu bei: was vor zwei Jahren noch „in“ war, ist dieses Jahr „mega-out“. Die Modebranche redet uns ein, dass wir uns dringend mit neuen Kleidern eindecken sollten, wenn wir dazu gehören möchten. Dies garantiert den Modehäusern, dass immer neue Kleider gekauft werden und ihr Geschäft floriert. Gleiches gilt natürlich auch für viele andere Wirtschaftszweige. Erstaunlicherweise macht der Grossteil der Menschen mit bei diesem Spiel, ohne es jemals zu hinterfragen!

Unter den Konkurrenten wird ein harter Preiskampf geführt, der oft damit endet, dass die kleinen Unternehmen eingehen und die grösseren gewinnen und damit noch mehr wachsen, weil sie mit grösseren Produktions- oder Einkaufsmengen tiefere Einstandspreise erzielen und somit gegenüber den kleineren Konkurrenten die Nase vorne haben. Den Grosskonzern interessiert es dabei nicht, was mit dem kleinen Unternehmen passiert, welche Schicksale die Angestellten erleiden, oder ob ein einheimisches und qualitativ hochstehendes Produkt und mit ihm das Wissen um seine Herstellung vom Markt verschwindet. Freie Marktwirtschaft um jeden Preis heisst das Motto, denn wir Schweizer wollen ja schliesslich eine Rolle spielen am globalisierten Markt…

Was aber ist es, das diese Unternehmen dazu zwingt, immer wieder eine Marktlücke zu entdecken, immer aggressiver Werbung zu machen und unerbittlich gegen ihre Konkurrenten zu kämpfen? Ist es nicht absonderlich, dass wir so viele Produkte produzieren, die niemand braucht, die die Umwelt unnötig belasten und die uns nur immer unglücklicher werden lassen? Warum müssen wir unbedingt Arbeit beschaffen, wo es eigentlich nichts zu tun gibt? Wäre es nicht toll, mehr Zeit für sich selbst, seine Familie, Hobbys, spirituelle Weiterentwicklung etc. zu haben? Ist es nicht sonderbar, dass viele von uns unter grossem Stress leiden, während so viele Menschen arbeitslos sind? Gleichzeitig schieben wir unsere Kinder und die alten Leute ab, weil wir keine Zeit für sie haben. Dabei könnte uns gerade der Umgang mit Kindern und älteren Leuten so gut tun. Wir könnten dabei spüren, um was es eigentlich geht im Leben und wir würden die Hektik des Berufslebens vielleicht plötzlich mit ganz anderen Augen sehen.

Wir sind in einem System gefangen, das viel zu gross ist, um funktionieren zu können. Uns fehlt die Übersicht, um zu erkennen, dass wir nur Arbeitsplätze schaffen, um uns alle mit Jobs zu versorgen, und nicht, weil wir dringenden Bedarf an einem bestimmten Produkt oder einer bestimmten Dienstleistung haben. Wir sehen nicht, dass dabei aller mögliche Unsinn produziert und verkauft wird, der uns immer tiefer in den Konsumwahn treibt, an dem wir schlussendlich krank werden.

In dieser „Unübersicht“ sehen wir nicht die Rolle des Zinses als verursachender Mechanismus. Unsere Banken mögen uns sagen, dass unser Geld bei ihnen arbeitet – tatsächlich kann Geld sich aber niemals von alleine vermehren! Was der eine an Zinsen gewinnt, muss ein anderer (oder müssen viele andere) an Arbeit aufwenden. Das heisst also, dass die Reichen ihr Vermögen durch Nichtstun vermehren können, während die Armen immer mehr dafür arbeiten müssen! Damit klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander (im Jahr 2002 besassen 400 Milliardäre das halbe jährliche Welteinkommen!)(1)

Wenn wir ein Produkt kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, zahlen wir immer automatisch auch einen erheblichen Anteil an Zinsen, welche der Anbieter zu bezahlen hat und in den Preis einrechnet. Genauso ist es bei den Steuern: Unsere Staaten sind bei Privaten verschuldet, wobei der Schuldenberg durch den Zins in rasender Geschwindigkeit immer grösser wird und der Steuerzahler dafür immer mehr Steuern zahlen darf. Irgendwann wird es soweit kommen, dass die Zinskosten die gesamten Staatseinnahmen übersteigen! Mit dem Zins wird Geld andauernd von den Arbeitenden zu den Schmarotzern verschoben! Ein solches System muss irgendwann zusammenbrechen, und tatsächlich gibt es in der Vergangenheit einige Beispiele für solche Zusammenbrüche. Die Rolle des Zinses wird in der Geschichte unter dem folgenden Link auf einfache und verständliche Art erklärt:
www.kent-depesche.com/06KD35-S4.pdf

Ein anderer Aspekt unseres Wirtschaftssystems ist, dass es bisher erfolgreich unsere Weiterentwicklung verhindert hat. Wir sind unfähig, neue Erkenntnisse anzunehmen, wenn unsere Existenz von bisherigen Erkenntnissen abhängt! Wenn wir beispielsweise Impfstoffe herstellen, dann können wir uns eigentlich aus rein wirtschaftlichen Gründen die Grundsatzfrage, ob impfen sinnvoll ist oder nicht, gar nicht stellen! So sind wir alle davon abhängig, dass der Absatz von unserem Produkt nicht durch neue Erkenntnisse unterbunden wird, denn in einem solchen Fall geriete unsere finanzielle Sicherheit ins Wanken. So werden neue Erkenntnisse nicht angenommen, sie werden ignoriert und bekämpft, ihre Urheber werden öffentlich in ein schlechtes Licht gerückt, auch wenn die Erkenntnisse vielleicht viel zur Verbesserung unseres Zustandes beitragen könnten!

Wären wir in kleinen Gruppen organisiert, in denen jeder seinen Anteil für die Gemeinschaft beiträgt und im Austausch dafür die Güter und Dienstleistungen der anderen bekommt, in denen sich alle füreinander verantwortlich fühlen und jeder mit dem Lebensnotwendigen versorgt wäre, müssten wir nicht Marktlücken entdecken und unsere Mitmenschen über den Tisch ziehen. Wir würden uns auf das Wesentliche konzentrieren und hätten viel mehr Freizeit zur Verfügung!

(1) Kent-Depesche Nr. 27 / 18.07.2002, www.kent-depesche.com

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